Servicetechniker finden: warum die Stelle 168 Tage offen bleibt
Die häufigste Position der Branche, die längste Vakanz – und die einzige, deren Fehlen der Kunde bemerkt. Was ein Techniker vergleicht.
Die häufigste Position der Branche, die längste Vakanz – und die einzige, deren Fehlen der Kunde bemerkt. Was ein Techniker vergleicht.
Servicetechniker ist die häufigste Position im Maschinen- und Anlagenbau und im technischen Anlagenservice, hat die längste Vakanz und ist die einzige Stelle, deren Fehlen der Kunde bemerkt. Nach Auswertung der VDMA-Zahlen bleibt eine Fachposition im deutschen Maschinenbau im Schnitt 168 Tage offen, bei Spezialistenstellen mit Hochschulabschluss sind es 214 Tage. Die Vakanzquote über alle Qualifikationsstufen liegt bei 11,5 Prozent. Wer diese Stelle sucht, sucht sie also nicht sechs Wochen, sondern ein halbes Jahr – und meist nicht zum ersten Mal.
Die kurze Antwort vorweg: Servicetechniker findet man nicht über eine Anzeige, sondern über eine Ansprache. Der Grund ist rechnerisch, nicht kulturell. Laut EY-Jobstudie suchen 6 Prozent der Fachkräfte aktiv nach einer Stelle, während 62 Prozent passiv wechselbereit sind – ein Rekordwert. Eine Stellenanzeige bewirbt ausschließlich die ersten 6 Prozent. Der Techniker, den Sie brauchen, sitzt gerade im Servicefahrzeug eines Wettbewerbers und liest keine Jobbörse.
In den meisten Betrieben wird der Servicetechniker als Personalthema geführt. Er ist ein Vertriebsthema. Nach der Deloitte-Analyse zur Service Performance im Maschinenbau liefert der Service typischerweise 30 Prozent des Gesamtgewinns, bei wartungsintensiven Anlagen 50 Prozent und mehr – während im Neumaschinengeschäft deutlich geringere Margen üblich sind. Und die Servicequalität entscheidet nach derselben Quelle zu 50 Prozent über die Investitionsentscheidung des Kunden: so viel wie Produktqualität und Preis zusammen.
Damit ist die Rechnung eine andere als bei einer offenen Stelle in der Fertigung. Ein fehlender Servicetechniker kostet nicht ein Gehalt. Er kostet:
Das ist der Grund, warum diese Position bei Maschinen- und Anlagenbauern und technischen Servicebetrieben zwischen 50 und 500 Mitarbeitern wiederkehrend ausgeschrieben wird. Nicht einmal – wiederkehrend.
Das ist der rechnerische Kern. Bei 6 Prozent aktiv Suchenden ist eine Stellenanzeige kein Kanal, sondern ein Restposten. Sie ist nicht nutzlos – der empfohlene Kandidat sucht sie, bevor er sich meldet, und nutzt sie als Beleg, dass die Stelle existiert. Aber sie erzeugt keinen Zufluss. Wer nur ausschreibt, wartet darauf, dass die richtige Person zufällig gerade zu den 6 Prozent gehört, im richtigen Umkreis wohnt und die Anzeige findet.
Deloitte nennt in der Analyse zum Servicetechniker-Mangel zwei Hauptursachen ausdrücklich: die sehr intensive Reisetätigkeit und den wachsenden Wunsch nach besserer Work-Life-Balance. Das ist ein Ruf, den der Beruf mit sich trägt – und die meisten Betriebe verteidigen ihn nicht, sie schweigen dazu.
Nur: Zwischen Betrieben liegen dabei Welten. Ein Gebietstechniker mit 200 Kilometern Radius, Dienstfahrzeug und Heimschlaf macht einen anderen Beruf als ein Inbetriebnehmer mit vier Nächten Hotel. Beide Modelle sind für jeweils einen Teil des Marktes attraktiv. Steht in der Anzeige nur „Reisebereitschaft erforderlich“, bewirbt sich keiner von beiden – weil beide vom Schlimmsten ausgehen.
Ihr Wettbewerb um diesen Menschen ist nicht der andere Maschinenbauer. Werkzeugmaschinen, Intralogistik, Kältetechnik, Aufzugstechnik, Drucklufttechnik, Landtechnik und Gebäudetechnik greifen alle nach demselben Profil: Mechanik, Elektrik und ein belastbares Verständnis für Steuerungen in einem Kopf. Der Pool wird nicht branchenintern verteilt, er wird branchenübergreifend geleert. Von den 123.000 unbesetzten Stellen im deutschen Maschinenbau entfallen 42.000 auf Facharbeiterprofile – Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker, Werkzeugmacher.
Das ist der praktisch wirksamste Teil dieses Artikels. Ein erfahrener Servicetechniker prüft eine Stelle entlang von sechs Punkten – und keiner davon steht in der Mehrheit der Anzeigen.
| Was er wissen will | Was üblicherweise dasteht | Was stattdessen dastehen sollte |
|---|---|---|
| Einsatzradius | „Reisebereitschaft erforderlich“ | „Einsatzgebiet Südwest, Radius rund 200 km, Rückkehr täglich“ |
| Nächte auswärts | nichts | „im Schnitt 2 Nächte pro Monat, in Projektphasen bis zu 4“ |
| Bereitschaft | „gelegentliche Rufbereitschaft“ | „jede 5. Woche, Zulage X, Freizeitausgleich geregelt“ |
| Fahrzeug | „Firmenwagen“ | „Servicefahrzeug, ab Wohnort, Privatnutzung ja/nein“ |
| Steuerungswelt | „moderne Anlagen“ | „Siemens S7/TIA, teilweise Heidenhain, Fanuc im Bestand“ |
| Reisezeit | nichts | „Fahrzeit ab Wohnort gilt als Arbeitszeit“ |
Der Punkt dahinter ist nicht Transparenz um ihrer selbst willen. Er ist eine Auswahlmechanik: Ein erfahrener Techniker liest „gelegentliche Rufbereitschaft“ als „jedes zweite Wochenende, unbezahlt“, weil er es genau so schon einmal erlebt hat. Wer die Regelung beziffert, gewinnt gegen den, der sie verschweigt – selbst mit der schlechteren Regelung. Und wer sie beziffert, bekommt weniger Bewerbungen und mehr Zusagen. Bei einer Rolle, deren Einarbeitung Monate dauert, ist das die günstigere Seite.
Erstens: Ansprache statt Ausschreibung. Der erreichbare Teil des Marktes sind die 62 Prozent, die wechselbereit sind, aber nicht suchen. Die erreicht man dort, wo sie ohnehin sind – regional ausgesteuert, nicht bundesweit gestreut. Ein Servicetechniker mit Familie zieht selten um; die Entfernung zum Wohnort entscheidet härter als in fast jedem anderen Beruf.
Zweitens: eine eigene Karriereseite, keine Portalanzeige. Ein Techniker, der auf Ihre Ansprache reagiert, tippt Ihren Namen ins Handy. Was er dann findet, entscheidet über die Bewerbung. Eine Seite, die in 90 Sekunden eine Bewerbung ohne Lebenslaufpflicht zulässt, gewinnt gegen ein Portal-Profil mit Login und PDF-Upload. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Karriereseite für Maschinenbauer.
Drittens: der Reaktionstakt. Ein Servicetechniker mit fünf Jahren Erfahrung bewirbt sich selten nur bei Ihnen. Der Betrieb, der am selben Tag antwortet, bekommt das Gespräch; wer drei Tage braucht, verhandelt gegen eine bereits unterschriebene Zusage – und hält es für Marktknappheit. Wie man diesen Takt hält, auch wenn der Serviceleiter beim Kunden steht, steht in „Wer am dritten Tag antwortet“.
Eine gängige Praxis-Faustformel setzt an: Nach rund 120 Tagen Leerstand übersteigen die Vakanzkosten einer Position ein volles Bruttojahresgehalt. Bei 168 Tagen durchschnittlicher Vakanzzeit im Maschinenbau ist das kein Randfall, sondern der Normalfall – und die entgangene Servicemarge ist darin noch nicht enthalten. Die vollständige Rechnung mit Ihren eigenen Zahlen können Sie im Vakanzrechner nachrechnen.
Die übliche Reaktion darauf ist ein Personalvermittler. Der funktioniert – und kostet 15 bis 25 Prozent des Bruttojahresgehalts, im vom BDU ausgewiesenen Marktschnitt 27,8 Prozent. Das ist verkraftbar, wenn es einmal passiert. Bei acht bis zwölf technischen Besetzungen im Jahr ist es ein Dauerposten, der jedes Jahr wiederkommt. Was diese Rechnung über fünf Jahre ergibt, steht in „Was ein Personalvermittler im Maschinenbau kostet“.
Wenn Sie diese Stelle nicht einmal, sondern wiederkehrend besetzen, ist die eigentliche Frage nicht, wie Sie sie diesmal füllen – sondern warum Sie beim nächsten Mal wieder bei null anfangen. Genau dafür gibt es das Inhouse-Recruiting-System.
Ein Servicetechniker im Außendienst, besetzt in vierzehn Tagen. Ein Zerspaner-Betrieb mit drei Kandidaten für zwei Stellen im ersten Monat. Keine Wunderpille – ein System, das danach im Betrieb bleibt. Im Machbarkeits-Check prüfen wir, ob Ihre Stelle in Ihrem Einzugsgebiet besetzbar ist. Passt es nicht, sagen wir ab, bevor Sie einen Cent ausgeben. Ein Betrieb pro Fachrichtung und Gebiet.
Was im Erstgespräch passiert