Altersstruktur im Maschinenbau: 296.000 gehen, 118.000 kommen
23 Prozent der Beschäftigten sind über 55, nur 12 Prozent unter 30. Das ist keine Prognose mehr, sondern ein Fahrplan – und jeder Serviceleiter kennt die Namen.
23 Prozent der Beschäftigten sind über 55, nur 12 Prozent unter 30. Das ist keine Prognose mehr, sondern ein Fahrplan – und jeder Serviceleiter kennt die Namen.
Im deutschen Maschinenbau sind 23 Prozent der Beschäftigten über 55 Jahre alt und nur 12 Prozent unter 30. Das Durchschnittsalter liegt bei 46,2 Jahren. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts scheiden in den nächsten zehn Jahren rund 280.000 Fachkräfte altersbedingt aus.
Die Gegenrechnung liefern IW Köln und Impuls-Stiftung: Bis 2034 gehen 296.000 Beschäftigte in Rente, während 118.000 nachkommen. Nettolücke: 178.000.
Das ist keine Prognose mehr. Das ist ein Fahrplan – und jeder Serviceleiter kennt die Namen.
Drei Zahlen erklären, warum sich das nicht von selbst reguliert.
Die Ausbildung liefert zu wenig. In Metall- und Elektroberufen werden rund 28.000 neue Ausbildungsverträge pro Jahr abgeschlossen – bei einer Abbruchquote von 22 Prozent. Von denen, die anfangen, kommt gut ein Fünftel nie an.
Das Studium ebenfalls. Die Studienanfängerzahlen in Maschinenbau und Elektrotechnik sind seit 2016 um 17 Prozent zurückgegangen, die Abbrecherquote im Maschinenbau-Studium liegt bei rund 35 Prozent.
Die Erwerbsbevölkerung schrumpft insgesamt. Bis 2030 werden nach Vorausberechnungen rund 3,9 Millionen Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter sein. Es ist also nicht so, dass die Leute in eine andere Branche gehen – sie existieren nicht.
Rechnen Sie es an Ihrem Serviceteam durch. Bei einem Team von zwölf Technikern und einer Altersverteilung, die dem Branchenschnitt entspricht, sind knapp drei über 55. In den nächsten zehn Jahren gehen sie – planbar, mit Datum.
Der entscheidende Punkt ist nicht die Zahl, sondern der Zeitpunkt der Reaktion. Bei 168 Tagen durchschnittlicher Vakanzzeit für eine Fachposition im Maschinenbau bedeutet „wir suchen, wenn er geht“: ein halbes Jahr Unterbesetzung nach jedem einzelnen Abgang. Bei drei Abgängen in fünf Jahren sind das eineinhalb Jahre, in denen das verbleibende Team die Lücke trägt.
Und es kommt ein zweiter Verlust dazu, der in keiner Rechnung auftaucht: Wer nach dem Ausscheiden sucht, verliert die Übergabe. Ein Servicetechniker mit dreißig Jahren im Haus kennt Anlagen, Kunden und Sonderlösungen, die nirgends dokumentiert sind. Diese Übergabe braucht Monate Überlappung – und die gibt es nur, wenn der Nachfolger vorher da ist.
Nicht als Personalstatistik, sondern als Beschaffungsplan: Wer geht wann, wie lange dauert die Einarbeitung in dieser Rolle, wann muss die Suche starten. Bei sechs bis zwölf Monaten Einarbeitung plus 168 Tagen Vakanzzeit liegt der Startzeitpunkt rund eineinhalb bis zwei Jahre vor dem Renteneintritt. Das ist unangenehm früh und rechnerisch korrekt.
Der Anlagenführer, der Industriemechaniker werden könnte. Der Industriemechaniker mit Elektroerfahrung, der in zwölf Monaten Mechatroniker wäre. Der Mechatroniker, der die Kältetechnik dazunehmen will. Diese Wege existieren in fast jedem Betrieb – beschrieben, mit Dauer, Kostenträger und Zwischenschritten, existieren sie in fast keinem. Genau das ist der Unterschied zwischen einer Möglichkeit und einem Angebot.
Wenn in fünf Jahren absehbar sechs bis zehn Nachbesetzungen anstehen, ist die Frage nicht, wie Sie die nächste besetzen. Die Frage ist, warum Sie für jede einzelne wieder einen Dienstleister beauftragen. Bei einem Vermittlungshonorar von 15 bis 25 Prozent des Jahresgehalts – Marktschnitt 27,8 Prozent – summiert sich das über eine absehbare Rentenwelle zu einem Betrag, für den ein eigenes System mehrfach gebaut wäre.
Ein Betrieb, der seine Abgänge kennt und zwei Jahre vorher sucht, konkurriert mit Betrieben, die erst reagieren, wenn die Kündigung auf dem Tisch liegt. Er hat Zeit, kann wählerisch sein, kann Überlappung organisieren und muss keine Notlösung akzeptieren.
Das ist kein besonderes Talent. Es ist eine Liste mit Geburtsjahren und eine Recruiting-Struktur, die man starten kann, ohne vorher jemanden zu beauftragen.
Warum die Branche gleichzeitig Stellen abbaut und niemanden findet, steht in „22.000 Stellen abgebaut, 123.000 unbesetzt“.
Ein Servicetechniker im Außendienst, besetzt in vierzehn Tagen. Ein Zerspaner-Betrieb mit drei Kandidaten für zwei Stellen im ersten Monat. Keine Wunderpille – ein System, das danach im Betrieb bleibt. Im Machbarkeits-Check prüfen wir, ob Ihre Stelle in Ihrem Einzugsgebiet besetzbar ist. Passt es nicht, sagen wir ab, bevor Sie einen Cent ausgeben. Ein Betrieb pro Fachrichtung und Gebiet.
Was im Erstgespräch passiert