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Marktlage · 7. August 2026 · 9 MIN LESEZEIT

22.000 Stellen abgebaut, 123.000 unbesetzt: der Widerspruch, den keiner anspricht

Die Branche schrumpft in der Fertigung und sucht händeringend im Service. Beides passiert im selben Betrieb – und erklärt die Vakanz.

Zwei Meldungen aus derselben Branche, im selben Jahr. Die eine: Der deutsche Maschinenbau hat 2025 rund 22.000 Stellen abgebaut, die Metall- und Elektroindustrie insgesamt rund 60.000. Der VDMA prognostiziert für 2026 ein Produktionswachstum von ±0 Prozent, die Kapazitätsauslastung lag im April bei 77,8 Prozent gegenüber einem Mittelwert von 85,6 Prozent.

Die andere: Im deutschen Maschinenbau waren 123.000 Stellen unbesetzt, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Vakanzquote liegt bei 11,5 Prozent, eine Fachposition bleibt im Schnitt 168 Tage offen.

Beides ist wahr. Und beides passiert im selben Betrieb.

Warum der Widerspruch keiner ist

Abgebaut wird dort, wo die Konjunktur zuschlägt: in der Fertigung, in der Verwaltung, bei projektabhängigen Rollen. Gesucht wird dort, wo der Mangel strukturell ist: im Service, in der Instandhaltung, in der Inbetriebnahme.

Der wirtschaftliche Grund dahinter ist gut dokumentiert. Nach der Deloitte-Analyse zur Service Performance liefert der Service im Maschinenbau typischerweise 30 Prozent des Gesamtgewinns, bei wartungsintensiven Anlagen 50 Prozent und mehr. Während das Neumaschinengeschäft stagniert, ist der Service die Linie, die trägt – und die einzige, in die Betriebe auch in einem schwachen Jahr investieren.

Ein Betrieb, der in der Fertigung Kurzarbeit fährt und gleichzeitig zwei Servicetechniker sucht, verhält sich also nicht widersprüchlich. Er verhält sich richtig.

Was das für die Personalplanung heißt

Erstens: Die Vakanz verschwindet nicht mit der Konjunktur. Es ist verlockend anzunehmen, dass ein schwaches Jahr den Arbeitsmarkt entspannt. Für Ingenieure und kaufmännische Rollen mag das stimmen. Für Servicetechniker, Zerspaner und Elektroniker der Automatisierungstechnik stimmt es nicht, weil die Nachfrage dort nicht am Auftragseingang hängt, sondern an der installierten Basis beim Kunden – und die schrumpft nicht.

Zweitens: Der Abbau verschärft den Mangel an anderer Stelle. Wer in der Fertigung Personal abbaut, verliert auch Menschen, die in zwei Jahren Servicetechniker geworden wären. Der interne Zufluss in die Servicerollen versiegt genau dann, wenn er am nötigsten wäre.

Drittens: Der Wettbewerb wird härter, nicht weicher. Betriebe, die im Neugeschäft nicht wachsen können, wachsen im Service – alle gleichzeitig, um dieselben Leute. Ein schwaches Marktjahr ist für Servicetechniker ein gutes Bewerberjahr.

Der Kommunikationsfehler, der daraus folgt

Betriebe, die abbauen und gleichzeitig suchen, kommunizieren beides selten in einem Satz – und das ist verständlich, aber teuer. Ein Kandidat, der von Kurzarbeit oder Stellenabbau bei Ihnen gelesen hat, stellt genau eine Frage: Wie sicher ist die Stelle, für die ich mich bewerbe?

Wer diese Frage nicht vorwegnimmt, verliert Bewerber an Betriebe, über die nichts in der Zeitung stand – nicht weil die sicherer wären, sondern weil sie unauffälliger sind.

Die Antwort darauf ist keine Beschwichtigung, sondern eine Erklärung: Der Service ist die Linie, die trägt, der Bedarf hängt an der installierten Basis, die Stelle ist unbefristet, und das Team wächst, während anderswo im Haus konsolidiert wird. Das ist überprüfbar und deshalb glaubwürdig.

Die Zahlen im Überblick

KennzahlWertQuelle
Stellenabbau Maschinenbau 2025rund 22.000VDMA / M+E
Produktionsprognose 2026±0 %VDMA
Kapazitätsauslastung77,8 % (Mittelwert 85,6 %)VDMA
Unbesetzte Stellen123.000 (+18 %)VDMA
davon Facharbeiter42.000VDMA / IW Köln
Vakanzquote11,5 %VDMA
Vakanzzeit Fachposition168 TageVDMA
Serviceanteil am Gesamtgewinn30 %, bis über 50 %Deloitte

Was daraus folgt

Wenn der Mangel strukturell ist und nicht konjunkturell, ist die Antwort darauf ebenfalls strukturell. Das gilt für Maschinen- und Anlagenbauer und technische Servicebetriebe gleichermaßen – wo eine installierte Basis betreut wird, kommt der Bedarf wieder. Ein Vermittlungshonorar löst eine Stelle. Eine Kampagne löst eine Stelle. Beides beginnt beim nächsten Mal wieder bei null – in einem Umfeld, in dem das nächste Mal absehbar ist.

Wie die Demografie diesen Befund über die nächsten zehn Jahre verschärft, steht in „Altersstruktur im Maschinenbau“. Was ein eigenes System dagegen leistet, auf der Seite zum Inhouse-Recruiting-System.


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