Inhouse-Recruiting oder Agentur: die Rechnung, die kaum jemand aufmacht
Vier Wege, ein Konstruktionsfehler: Alle fangen bei jeder Stelle neu an. Wo die Schwelle für ein eigenes System liegt.
Vier Wege, ein Konstruktionsfehler: Alle fangen bei jeder Stelle neu an. Wo die Schwelle für ein eigenes System liegt.
Ein Maschinen- und Anlagenbauer oder technischer Servicebetrieb mit offener Servicetechniker-Stelle hat vier Wege zur Auswahl. Alle vier funktionieren. Alle vier haben denselben Konstruktionsfehler – und der zeigt sich nicht bei Stelle eins, sondern bei Stelle sechs.
| Weg | Was er kostet | Was er leistet | Was er hinterlässt |
|---|---|---|---|
| Stellenanzeige | niedrig, je Schaltung | erreicht die 6 % der Fachkräfte, die aktiv suchen | nichts |
| Personalvermittler | 15–25 % des Jahresgehalts, Marktschnitt 27,8 % | eine Besetzung, schnell, mit Netzwerkzugriff | nichts |
| Zeitarbeit | Kalkulationsfaktor 1,5–2,0, unbefristet | überbrückt Kapazität sofort | nichts – der Mensch gehört nie dem Betrieb |
| Agentur auf Retainer | monatlich, ohne Endpunkt | laufende Kampagnen und Bewerbungen | nichts – Konten und Daten liegen bei der Agentur |
Die letzte Spalte ist der eigentliche Vergleich. Nach jeder Besetzung endet die Beauftragung, der Zugang läuft aus, die Erkenntnis darüber, welche Ansprache in Ihrer Region funktioniert hat, geht mit. Sechs Monate später beginnt derselbe Prozess wieder – mit denselben Kosten und ohne den Vorsprung aus dem letzten Mal.
Weil die Frequenz höher ist, als die meisten Betriebe glauben. Bei 10 bis 15 Prozent Fluktuation in gewerblich-technischen Rollen besetzt ein Betrieb mit 150 Mitarbeitern acht bis zwölf technische Stellen im Jahr. Das ist kein Sonderfall, sondern der Normalbetrieb – Servicetechniker, Zerspaner, Industriemechaniker, Anlagenführer, dazu Nachbesetzungen aus der Altersstruktur.
Und die Altersstruktur wird das verschärfen: 23 Prozent der Beschäftigten im Maschinenbau sind über 55, nur 12 Prozent unter 30, das Durchschnittsalter liegt bei 46,2 Jahren. Nach IW Köln und Impuls-Stiftung gehen bis 2034 rund 296.000 in Rente, während 118.000 nachkommen.
Wer in diesem Umfeld bei jeder Stelle neu einkauft, kauft nicht acht Mal. Er kauft acht Mal im Jahr, dauerhaft.
„Inhouse-Recruiting“ heißt in vielen Betrieben: Die Assistenz der Geschäftsführung macht Personal mit. Das ist kein System, das ist eine Zuständigkeit ohne Werkzeug – und es scheitert regelmäßig am Reaktionstakt, weil montags Einsatzplanung ist und die Bewerbung drei Tage liegt.
Ein System besteht aus sechs Teilen, und der Unterschied zur Agentur liegt in der jeweils letzten Zeile:
| Baustein | Was danach im Betrieb bleibt |
|---|---|
| Stellenprofil mit Einsatzradius, Bereitschaft, Steuerungswelt | die Vorlage für jede künftige Stelle |
| Karriereseite auf der eigenen Domain | die Seite, inklusive Zugang und Quellcode |
| Kanal zu den 62 % passiv Wechselbereiten | Anzeigenkonten, Zielgruppen, Motive |
| Reaktionstakt von 72 Stunden | Ablauf, Textbausteine, Zuständigkeit |
| Vorauswahl nach fachlichen Kriterien | Fragebogen, Bewertungslogik, Bewerberdaten |
| Übergabe | Einweisung und schriftliches Betriebshandbuch |
Die Schwelle liegt erfahrungsgemäß bei etwa fünf Einstellungen im Jahr. Bei 10 bis 15 Prozent Fluktuation entspricht das rund 50 Mitarbeitern.
Darunter lohnt es sich in der Regel nicht. Wer zwei Techniker im Jahr einstellt, lastet kein System aus; ein Vermittler ist dann die günstigere Rechnung. Es gibt Ausnahmen – ein neuer Standort, eine Altersstruktur mit mehreren absehbaren Abgängen, ein Gebiet, das neu erschlossen wird –, aber sie sind Ausnahmen und sollten als solche benannt werden.
Darüber kehrt sich die Rechnung um. Der Aufbau ist einmalig, das Honorar ist wiederkehrend. Bei acht Besetzungen im Jahr zu je rund 8.900 Euro Honorar liegen die Vermittlungskosten allein bei rund 71.200 Euro jährlich – und in fünf Jahren bei rund 356.000 Euro, ohne dass ein einziger Baustein im Betrieb geblieben wäre.
„Wenn das System uns gehört, wovon lebt der Anbieter dann?“ Das ist die richtige Frage, und sie hat eine unbequeme Antwort: davon, jedes Jahr neue Betriebe aufzubauen – nicht davon, dass alte nicht fertig werden.
Genau deshalb kann ein Personalvermittler, eine Zeitarbeitsfirma und eine Retainer-Agentur dieses Angebot nicht machen. Es greift ihr eigenes Geschäftsmodell an. Wer das für einen Verkaufstrick hält, sollte den Punkt an der einzigen Stelle prüfen, an der er sich zeigt: Läuft das Anzeigenkonto auf Ihren Namen oder auf den des Anbieters? Diese eine Frage trennt ein System von einer Kampagne zuverlässiger als jede Broschüre.
Was der einzelne Weg kostet, steht in „Was ein Personalvermittler im Maschinenbau kostet“. Wie das System im Detail aufgebaut ist, auf der Seite zum Inhouse-Recruiting-System.
Ein Servicetechniker im Außendienst, besetzt in vierzehn Tagen. Ein Zerspaner-Betrieb mit drei Kandidaten für zwei Stellen im ersten Monat. Keine Wunderpille – ein System, das danach im Betrieb bleibt. Im Machbarkeits-Check prüfen wir, ob Ihre Stelle in Ihrem Einzugsgebiet besetzbar ist. Passt es nicht, sagen wir ab, bevor Sie einen Cent ausgeben. Ein Betrieb pro Fachrichtung und Gebiet.
Was im Erstgespräch passiert