Tarif und Mindestlohn in der Gebäudereinigung: was die Stunde wirklich kostet
Der Branchenmindestlohn ist allgemeinverbindlich – auch ohne Tarifbindung. Was er für Ihre Kalkulation bedeutet.
Der Branchenmindestlohn ist allgemeinverbindlich – auch ohne Tarifbindung. Was er für Ihre Kalkulation bedeutet.
Die Gebäudereinigung hat einen eigenen Branchenmindestlohn, und er ist über eine Rechtsverordnung nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz allgemeinverbindlich erklärt. Das ist der Punkt, den viele Inhaber unterschätzen: Er gilt für Ihren Betrieb auch dann, wenn Sie in keinem Verband und in keiner Tarifbindung sind.
Wer stattdessen den gesetzlichen Mindestlohn ansetzt, unterbietet nicht den Wettbewerb – er baut eine Nachzahlungspflicht auf, die bei einer Prüfung durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mit Säumniszuschlägen zurückkommt.
Der Branchenmindestlohn kennt zwei Lohngruppen, die in der Praxis maßgeblich sind: die Innen- und Unterhaltsreinigung und die Glas- und Fassadenreinigung, die deutlich darüber liegt. Die Sätze werden regelmäßig neu verhandelt und treten meist zum Jahreswechsel in Kraft.
Wir nennen hier bewusst keine Zahl. Ein Betrag, der in einem Artikel steht, ist zwölf Monate später falsch, und eine falsche Zahl in der Kalkulation ist schlimmer als keine. Die gültigen Sätze stehen in der aktuellen Rechtsverordnung und beim Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks – vor jeder Jahreskalkulation einmal nachsehen ist die einzige Methode, die trägt.
Der Tariflohn ist nicht der Preis, er ist der Anfang. Auf jede geleistete Stunde kommen:
| Aufschlag | Größenordnung (Richtwert, je Betrieb verschieden) |
|---|---|
| Arbeitgeberanteil Sozialversicherung | rund 21 % des Bruttolohns |
| Umlagen und Berufsgenossenschaft | 2–4 % |
| Bezahlte Nichtarbeitszeit (Urlaub, Feiertage, Krankheit) | rund 18–22 % der Lohnkosten |
| Gemeinkosten: Fahrzeug, Material, Büro, Versicherung | 18–30 % |
| Gewinn | 8–12 % |
Die dritte Zeile ist die, die am häufigsten fehlt. Eine Vollzeitkraft steht nicht 2.088 Stunden im Jahr am Objekt, sondern nach Abzug von Urlaub, Feiertagen und einem realistischen Krankenstand eher 1.650. Wer mit der größeren Zahl rechnet, hat 26 % Arbeitszeit einkalkuliert, die es nicht gibt – und zahlt sie aus der Marge.
Aus einem Tariflohn ergibt sich damit ein Stundenverrechnungssatz, der ungefähr beim Doppelten liegt. Wer deutlich darunter anbietet, hat entweder eine Position vergessen oder verzichtet auf Gewinn.
Nachtarbeit, Sonntag, Feiertag und Arbeit in besonderen Höhen sind tariflich zuschlagspflichtig. Wenn Ihr Angebot eine Tagesreinigung vorsieht und der Auftraggeber später auf Wochenendreinigung umstellt, ändert sich Ihre Kostenbasis – ohne dass sich der Preis ändert, falls der Vertrag das nicht regelt.
Ein Satz im Vertrag genügt: Leistungen außerhalb der vereinbarten Zeiten werden nach Aufwand mit den tariflichen Zuschlägen berechnet. Ohne ihn zahlen Sie den Zuschlag und bekommen den Objektpreis.
In einem Preisgespräch wirkt der Tarif wie eine Einschränkung. Er ist auch eine Grundlage: Sie können Ihrem Auftraggeber nachvollziehbar zeigen, woraus Ihr Preis besteht – Lohngruppe, Leistungswert, Frequenz. Ein Wettbewerber, der 20 % darunter liegt, hat dann eine von zwei Erklärungen. Beide sind für den Auftraggeber ein Risiko: Er rechnet mit Leistungswerten, die niemand schafft, oder er zahlt nicht, was er zahlen muss.
Bei öffentlichen Auftraggebern ist das mehr als ein Argument. Die Einhaltung des Branchenmindestlohns ist Vergabebedingung, und ein auffällig niedriges Angebot muss aufgeklärt werden.
Das Mindestlohngesetz verlangt in der Gebäudereinigung die Aufzeichnung von Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, spätestens sieben Tage nach der Leistung, aufzubewahren für zwei Jahre. Das ist kein Formalismus: Fehlen bei einer Prüfung die Aufzeichnungen, werden Arbeitszeit und Beiträge im Zweifel geschätzt – nicht zu Ihren Gunsten.
Zettel im Objekt reichen formal, kosten aber jeden Monat Bürozeit beim Zusammensuchen. Das ist einer der Gründe, warum sich eine Zeiterfassung am Objekt für viele Betriebe schon ab einer Handvoll Kräfte rechnet.
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